Geschichte der Wehr

Geschichte der Wehr

Die offizielle Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Klein Nordende datiert aus dem Jahre 1890. Doch auch schon vor diesem Zeitpunkt existierte in der Gemeinde ein organisiertes Feuerlöschwesen. Da die Folgen von Schadensfeuern früher viel stärker als heute existenzbedrohend für die Betroffenen waren, war der Brandschutz schon sei alters her ein Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit. Eng verknüpft mit der Brandbekämpfung waren die Brandvorsorge und Brandversicherung in Form der Brandgilden. Diese Gilden waren meist als Feuerversicherungen auf Gegenseitigkeit organisiert, die den abgeschätzten Brandschaden durch Umlage bei den Mitglieder deckten. Feste Prämiensätze waren unbekannt, Zahlreiche Gilden Schleswig-Holsteins haben eine Jahrhunderte alte Tradition aufzuweisen. Zu den althergebrachten Regelungen zählte auch der Brauch, dass die Dorfbewohner dem Abgebrannten unentgeltlich die Brandstätte aufräumten, Holz, Mauersteine, Kalk, Sand und Reet anfuhren und das neue Haus richten halfen. Eine Richtfeier war die einzige Entschädigung. Eine Zusammenstellung über die Gilden aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nennt allein für die Herrschaft Pinneberg 21 vorhandene Gilderollen mit den Jahreszahlen ihrer Gründung. Genannt wurden unter anderem das Nordender Gildebuch von 1699 und das 1634 begonnene Liether Knechts-Gildebuch. Die Gründungsdaten dieser Gilden liegen meist in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Die Brandgilden richteten schon bald ihr Augenmerk auch auf die Schadensvorbeugung und -begrenzung, also auf die Bestimmungen zur Verhinderung und Bekämpfung von Bränden und auf die Ausrüstung mit Feuerlöschgeräten. Die Leitung der Brandgilde lag in den Händen eines Ältermannes und mehrerer Geschworener. Diese nahmen regelmäßig die „Brandschau" vor und hatten streng darauf zu achten, dass in jedem Haus und auf jedem Hof die notwendigen Feuerlöschgeräte vorhanden waren und in Ordnung gehalten wurden. Dazu zählten Steigerleiter, Feuerhaken, Schaulampe, Löschwassereimer. Jede Gilde besaß ein eigenes Gildebuch oder Gilderolle, wie die zeitgenössische Bezeichnung lautete, in der die Statuten der Gilde festgehalten waren. Wie die große Zahl der verschiedenen Gilden zeigt, umfassten diese nur relativ kleine Distrikte, waren andererseits aber nicht klar gegeneinander abgegrenzt. Die nur auf lokaler Ebene durchzusetzenden Vorschritten standen natürlich einem effektiven Feuerschutz entgegen. Um diese Missstände zu beheben, löste die königliche Regierung 1735 die meisten lokale Brandgilden auf und gründete an ihrer Stelle 1739 die „Königliche Generale Brand-Gilde und Assecurance-Casse Verordnung für die Herrschaft Pinneberg.

Mit dieser Verordnung war eine Kombination aus Brandverhütungsvorschriften und ebensolchen Regelungen für Schadensfälle, also eine Art staatlicher Feuerversicherung geschaffen, die 1758 auf das gesamte Herzogtum Holstein ausgedehnt wurde.8 Die Vorschriften der GBG, wie sie verkürzt genannt wurde, sind unter kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten äußerst interessant, können aber an dieser Stelle aber nicht vollständig aufgeführt werden. Als Zweck dieser Verordnung wurde ausdrücklich angeführt, 1. dass soviel Menschmöglich, allerhand Brand Schade Verhütet werde; 2. dass eine etwaige Feuers-Brunst bald wieder gelöschet und die in Gefahrstehenden Gebäude gerettet werden und 3. dem Abgebrannten zu denen verlohrenen Gebäuden bald wieder geholfen werden [...].Damit war die Grundlage für eine Art von Zwangsfeuerwehr in jeder Dorfschaft gelegt. Alle Hausbesitzer eines Dorfeswaren verpflichtet, bei Feuer milden entsprechenden Löschgeräten an der Brandstelle zu erscheinen und nach Anweisung des zuständigen „Brand-Directors" kräftig bei der Bekämpfung des Feuers mitzuhelfen. Außerdem waren in jedem Dorf oder Flecken 1 bis 4 verständige Männer als „Brand-Aufseher" zu bestimmen. Diese hatten zweimal jährlich, nämlich vier Wochen vor Johannis allein und acht Tage vor Michaelis zusammen mit dem Brand-Director eine Besichtigung der Wohnstätten aller und jeder Amts Eingesessenen, ohne Ansehn der Persohn vorzunehmen." Dies war also der Vorläufer der Brandschau. Der Übergang zur Zwangsmitgliedschaft in der Feuerversicherung ging allerdings nicht überall ohne Probleme vonstatten. Ganze Dorfschaften widersetzten sich der vorgeschriebenen Taxierung der Gebäude und mussten erst durch behördliches Einschreiten dazu gebracht werden, diese Neuschätzung zuzulassen. Nach der Einverleibung der Herzogtümer in den preußischen Staatsverband wurde die Aufsicht über das Feuerlöschwesen (aber nicht über die Feuerversicherung) vereinheitlicht.

1876- 1938

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Das geschah für die Landgemeinden mit dem Erlass der sogenannten Brandwehrverordnung vom 20. Juni 1876, die dann 1889 durch die „Polizeiverordnung betr. das Feuerlöschwesen auf dem platten Lande" ersetzt wurde. Die Brandschau wurde damit der örtlichen Polizeibehörde und dann 1889 - nach Bildung der Amtsbezirke in der Provinz Schleswig-Holstein - dem jeweiligen Amtsvorsteher und ab 1899 dem Gemeindevorsteher übertragen. Dieser hatte eine „Brandschaukommission" zu bilden, der er selbst, der örtliche Brandmeister, der Bezirksschornsteinfegermeister und ein technischer Beamter angehörten. Nach der Polizeiverordnung vom April 1889 wurde für jede „Spritze" ein Löschbezirk gebildet, welcher einen Brandmeister, einen Abteilungsführer, Lösch- und Sicherheitsmannschaften sowie ein Steigerkorps zu stellen hatte. Vorgeschrieben wurde ferner der Bau von „Spritzenhäusern" (den Vorläufern der heutigen Feuerwehrgerätehäuser) und die Anschaffung von Löschgeräten. Die staatlicherseits geforderte Organisation des Feuerlöschwesens wurde allgemein als Brandwehr bezeichnet. Seit den 1880er Jahren lässt sich in Schleswig-Holstein zunehmend die Bildung von „Freiwilligen Feuerwehren als Gegenbewegung zu den bestehenden „Zwangs''-Brandwehren feststellen. Im Februar 1906  trat eine neue Brandwehrverordnung in Kraft, die die des Jahres 1889 ablöste. Die Brandwehrverordnung von 1906 setzte eine allgemeine Dienstpflicht zur Brandbekämpfung für alle männlichen Einwohner der Landgemeinden vom 16. bis zum 60. Lebensjahrfest. Die Landgemeinden hatten jetzt alljährlich eine Liste der Dienstpflichtigen aufzustellen, die dann anschließend eine Aufforderung zum Dienstantritt erhielten. Im Kreis Pinneberg erübrigte sich dieses Verfahren jedoch meist, da es hier in zahlreichen Gemeinden zur Gründung von Freiwilligen Feuerwehren kam. 1906 gab es im Kreis schon 106 Brandwehren, von denen 37 nur aus Freiwilligen Feuerwehren bestanden; 29 waren reine Pflichtwehren und 37 einzelne Züge aufgeteilt.

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Unser erstes Gerätehaus noch an der Straße "Am Redder"

1938 - 1945

 

Dieser Zustand dauerte bis Ende März 1938. Nach der Eingemeindung von Hainholz, Langelohe und des Ortsteils Lieth nach Elmshorn und der damit verbundenen Auflösung des Amtsbezirkes Nordende änderte man diese Struktur wieder. Die 24 Männer des Hainholz-Langeloher Zuges wurden als Löschzug V in die Freiwillige Feuerwehr Elmshorn eingegliedert. Der Klein Nordender Löschzug verlor einige Mitglieder, die in dem Umgemeindungsgebiet wohnten. As während des Krieges zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr eingezogen waren, wurden Frauen und Männer aus der Gemeinde zur Brandpolizei dienstverpflichtet, um den Brandschutz in der Gemeinde sicherzustellen. Auch aus Altersgründen nicht zur Wehrmacht einberufene Männer reaktivierte man für den Brandschutz. Die Feuerwehren erhielten während dieser Zeit Waffen ausgehändigt und die Männer wurden im Luftschutzdienst und für nächtliche Wachdienste eingesetzt. 1944, als schon viele deutsche Städte durch den Bombenkrieg in Schutt und Asche gelegt worden waren, wurden alle Feuerwehren der bewaffneten Polizei und der SS unterstellt. Die Mitglieder der Feuerwehr wurden auf Reich und Führer vereidigt und die Wehren nun auch offiziell zu paramilitärischen Einheiten umgewandelt. Bei den britischen Bombenangriffen auf Elmshorn Anfang August 1943 und kurz vor Kriegsende im April 1945 war auch die Klein Nordender Wehr jeweils mehrere Tage ununterbrochen im Einsatz. Das Kriegsende bedeutete auch das (vorläufige) Ende der Feuerwehren, da die
jeweiligen Militärregierungen die Wehren als bewaffnete Verbände auflösten und verboten. Da der Brandschutz weiterhin gewährleistet werden musste, ließ man schon bald Freiwillige Feuerwehren zu. Diese Neugründungen erfolgten selbstverständlich nach demokratischen Spielregeln. Die von den Nationalsozialisten geprägten Begriffe „Wehrführer" und „Gruppenführer“ wurden allerdings aus dem „Tausendjährigen Reich" übernommen. Meist waren es recht junge Männer, die sich als erste zum Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehren meldeten. Zum ersten Wehrführer nach dem II. Weltkrieg wählte man Theodor Stüben.

 

1945-1956

Anfang desselben Jahres zählte die Freiwillige Feuerwehr in Kl. Nordende schon wieder 23 Mitglieder . Die Gemeindevertretung beschloss im Februar, dass für die Wehr geworben werden sollte. Auch völlig neue Aufgaben hatte die Klein Mordender Wehr zu erfüllen. Als im Juni 1948 zum Stichtag der Währungsreform im Gemeindebüro die neuen Banknoten ausgegeben wurden, stellte die Feuerwehr die Wache und sorgte für das nötige Sicherheitsgefühl. In den 50er Jahren wurde auch die technische Ausrüstung der Wehr allmählich verbessert. 1950 löste eine Sirene auf dem Hof Piening an der Dorfstraße die traditionelle Alarmierung durch Feuerhörner bei den Feuermeldestellen im Gemeindegebiet ab.

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1953 entstand das neue Feuerwehrgerätehaus am Schulweg (später Schulstraße) gegenüber dem Schulhof, das das alte Spritzenhaus Am Redder ablöste. Die Einweihung Ende August fand in feierlichem Rahmen statt. 1955 konnte die alte Motorspritze durch eine Spritze mit größerer Leistung (800 l/min) ersetzt werden. Stolz aber sind auch die Wehrmänner! Auf ihre neue Spritze nämlich. Die hatte ihnen der Bürgermeister an ihrem Ehrentag in feierlicher Form übergeben und damit die Schlagkraft der Wehr im Falle eines Brandes erhöht. Diese "Kraftspritze" wurde bei Einsetzen an ein von Fall zu Fall zu stellendes Privatfahrzeug angehängt.

1956-1984

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Im Januar 1956 beschloss man, einen Mannschaftswagen anzuschaffen. Aber erst ein Jahr später erhielt die Klein Nordender Wehr ihr erstes eigenes Fahrzeug, einen VW-Kastenwagen, der als Tragkraft-Spritzenfahrzeug ausgerüstet war. Hierdurch konnte ein schnelleres Eintreffen an den Einsatzstellen erreicht werden. Weitere entscheidende Fortschritte auf dem Ausrüstungssektor war 1967 die Anschaffung eines zweiten Fahrzeuges (TSF Ford-Transit) und die dadurch notwendig gewordene Erweiterung des Gerätehauses 1970.

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1973 wurden die Sirenenanlagen mit einem Funkmeldeempfänger ausgestattet, so daß nun die Alarmierung über den bundesweiten Notruf 112 von der Elmshorner Rettungswache ausgelöst werden konnte. Außerdem erhielten die Fahrzeuge Funkgeräte. Im Laufe der Jahre wurde auch das Hydrantennetz in der Gemeinde ständig ausgeweitet. Um den Brandschutz in der wachsenden Gemeinde sicherstellen zu können, schaffte man 1975 ein Löschfahrzeug (LF 16), das mit einem 1600 l -Tank ausgerüstet war, so dass der erste Löschangriff direkt vom Fahrzeug aus vorgenommen werden konnte. Der mittlerweile betagte VW-Kastenwagen wurde ausgemustert und der Gemeinde Klein Nordende als Gemeindefahrzeug zur Verfügung gestellt. 1977 erfolgte die Ausrüstung der Wehr mit Atemschutzgeräten. Diese haben sich inzwischen bei Wohnungsbränden vielfach bewährt. 1990 besaß die Klein Nordender Wehr 26 ausgebildete Atemschutzgeräteträger. Nachdem 1982 das Gerätehaus an der Schulstraße in Selbsthilfe durch Mitglieder der Wehr um 2,5m erweitert worden war, um einen dritten Fahrzeugstand zu schaffen, konnte im August desselben Jahres ein weiteres Löschfahrzeug (LF 8) angeschafft werden. Im Sommer 1984 standen der Wehr 10 ausgemusterte Funkmeldeempfänger der Elmshorner Feuerwehr zur Verfügung, so dass von da an bei Kleineinsätzen die Alarmierung nur noch über diese Empfänger erfolgte. Um die Schlagkraft der Wehr zu gewährleisten und um sie den ständig gestiegenen Anforderungen in der rasch wachsenden Gemeinde anzupassen, wurde eine stufenweise Modernisierung und Erweiterung des Gerätehauses geplant und beschlossen.

1984-2003

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Am 1. September 1984 fand die Grundsteinlegung für den 1. Bauabschnitt des Erwei- terungsbaus mit Sanitärraum, Atemschutz- und allgemeiner Werkstatt statt. Noch im gleichen Jahr konnten diese Räume in Gebrauch genommen werden.

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Der 2. Bauabschnitt mit Veranstaltungs-/Sitzungsraum, Geschäftszimmer, Küche und Materialraum wurde 1987 erstellt und anlässlich der Hauptübung am 6. September an die Wehr übergeben. Im Rahmen des Konzepts „Feuerwehr 2000" erfolgte im April 1995 die Fertigstellung des dritten Bauabschnittes. Dieser letzte Bauabschnitt umfasste einen Anbau, eine Aufstockung, sowie die Vergrößerung und Automatisierung der Tore.

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1998 wurde das 24 Jahre alte LF 16 ausgemustert und durch ein LF 16/12 mit Schlingmann Aufbau ersetzt. Ein Jahr später wurde dann auch das TSF  (1967) durch ein neues, in Eigenleistung durch die Wehr gebautes, TSF auf MB Sprinter ersetzt.

2003 bis heute

Eine neue Ära brach im März 2003 mit der Gründung der Jugendfeuerwehr an. Die 15 Mann starke Truppe wird hier ab einem Eintrittsaltern von 10 Jahren auf den Dienst als aktiver Feuerwehrmann vorbereitet. Neben der feuerwehrechnischen Ausbildung gehören aber insbesondere auch Wettkämpfe mit anderen Jugendfeuerwehren, Freizeitaktioinen, Ausfahrten und Zeltlager zum vielseitigen Angebot.

Ein ereignisreiches Jahr wurde das Jahr 2004. Martin Höppner löste Hans Borbe als Wehrführer ab. Außerdem konnten sich die Kameraden über ein neues Einsatzleitfahrzeug freuen, dass nur durch Spenden finanziert wurde. Der ELW 1 steht seither als Führungsfahrzeug im Einsatz oder für Transportaufgaben zur Verfügung. Weiterhin wurde ein Anhänger angeschafft, der sich bei Einsätzen an der Bahnlinie aufgleisen lässt und auch der Jugendfeuerwehr für die zahlreichen Aktionen und Ausfahrten zur Verfügung steht. Zum Abschluss des Jahres gab es einen weiteren Neuzugang bei der Wehr: Das alte LF 8 wurde durch ein modernes LF 10/6 der Firma Schlingmann ersetzt. Die Gemeinde investierte rund 165.000 € in das neue Fahrzeug.

Um einen überdachten Stellplatz für den neuen Anhänger zu haben, wurde 2006 auf dem Hof der Wache in Eigenleistung ein Carport errichtet. Der Holzbau bietet zwei Stellplätze und umfangreiche Lagermöglichkeiten. Im Anschluss an die Bauarbeiten wurde durch die Kameraden auf dem ehemals geschotterten Hofplatz Pflastersteine verlegt.

 

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